Über Blockchain, China und globale Netzwerke

- Business Operations

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Fiege International Freight Forwarding sorgt auf eng vernetzten Lieferwegen für eine ökonomisch wie ökologisch effiziente Abwicklung. Michael Völlnagel und Markus Warnebold sprachen mit Julian Mester über die wichtigen Themen der Branche und ein besonderes Betriebsjubiläum.

 

Im April 2019 war Fiege als ein Hauptsponsor bei der International Freight Logistics Network Konferenz in Wien. Mehr als 300 Spediteure und Logistiker aus der ganzen Welt haben die Konferenz besucht. Was sind die wichtigsten Themen, die die Branche umtreibt?

Warnebold: Das Thema Digitalisierung beschäftigt die Branche stark. Unsere Kunden fordern Order Management Systeme aktiv ein und natürlich ist die Blockchain-Technologie ein großes Thema. Derzeit wird beim Warentransport ja tatsächlich noch viel auf Papier dokumentiert. Die Blockchain wird als ein digitales Geschäftsbuch hier irgendwann eine Alternative sein. Dann müssen sämtliche involvierten Partner miteinander verknüpft sein: Sender, Empfänger, der Spediteur und der Carrier, eventuell noch Versicherungen oder Banken. Ob und wann sich die Blockchain-Technologie durchsetzt, bleibt daher abzuwarten.

Völlnagel: Die Digitalisierung nimmt aber immer weiter zu. Wir haben in den vergangenen Jahren in digitale Prozesse investiert und sind heute in einigen Geschäftsbereichen bereits in der Lage, das papierlose Büro komplett umzusetzen und Daten ausschließlich elektronisch mit den Transportbeteiligten auszutauschen.

Warnebold: Die jährliche IFLN-Konferenz ist aber auch eine wunderbare Möglichkeit sich mit weltweiten IFLN-Mitgliedern zu vernetzen. Man hilft sich untereinander und gibt Aufträge weiter, die man nicht selbst bearbeiten kann. Durch diese Kontakte generieren wir immer wieder Transportaufträge, da wir über ein starkes, weltweites Netzwerk verfügen.

 

Wie relevant ist ein globales Netzwerk für das Forwarding-Geschäft?

Warnebold: Um unseren Kunden eine reibungslose Transportkette ab Produktion bis zur Adresse des Empfängers inklusive lokaler Dienstleistungen wie beispielsweise der Verzollung und Verteilung anzubieten, sind wir auf ein globales Netzwerk angewiesen. Und dieses müssen wir auch pflegen, denn unsere Agenten sind nicht nur unsere Partner sondern teilweise auch unsere Kunden, da sie uns mit ihren Transporten beauftragen. Auf der IFLN-Konferenz konnten wir uns unseren Partnern gut präsentieren und unsere Expertise im Bereich Pharma und Healthcare vorstellen. Fiege ist Gründungsmitglied des neu erschaffenen IFLN Healthcare & Pharma Network.

 

Was sind Ihre Ziele für 2020 im Bereich IFF?

Völlnagel: Das Jahr 2020 beschreibt das Zielbild unserer in 2015 verabschiedeten IFF Strategie Play2Win. Über die vergangenen vier Jahre haben wir einen siebenstelligen Betrag in unsere Systeme und Prozesse investiert und sind heute besser aufgestellt als je zuvor. Wir wollen im Bereich See- und Luftfracht weiter wachsen und mit intelligenten Lösungen an den Markt treten. Dazu wollen wir auch neue Märkte erschließen und unser globales Netzwerk weiter stärken.

 

Der Handel mit China wächst immer weiter. Wohin geht der Trend für 2020? Auf welchem Weg wächst es besonders, auf dem Wasser, in der Luft oder sogar auf der Straße?

Warnebold: Der Verkehr mit dem Fernen Osten wird im kommenden Jahr wohl weiter wachsen, wobei hier eine weitere Verschiebung der Fernost Importe von China in Länder mit günstigeren Produktionskosten zu erwarten ist. Dies sind vor allem Länder in Südostasien und auf dem indischen Subkontinent. Längerfristig erwarte ich sogar eine Auslagerung nach Afrika, wo die Chinesen jetzt schon Milliarden investieren.

Obwohl wir schon einen Probelauf auf der Straße nach China vorgenommen haben, sehe ich hier keine große Entwicklung in nächster Zeit – ganz anders sieht es bei Bahntransporten von und nach China aus. Schnellere Laufzeiten stehen hier höheren Frachtraten gegenüber. Bahntransporte sind keine Konkurrenz zur Seefracht, sondern höchstens als Alternative zur Luftfracht, wenn auch eine Laufzeit von etwa 20 Tagen für den Kunden ausreichend ist. Fiege ist seit vielen Jahren im Bereich der Transsibirien-Verkehre involviert und Gründungsmitglieder der GETO, Group of European Operators and Forwarders.

 

Der Klimaschutz ist ein wichtiges Thema, auch im Bereich Freight Forwarding. Welche Maßnahmen ergreift Fiege hier?

Völlnagel: Im Bereich Freight Forwarding haben wir uns 2015 in unserer > Play2Win Strategie das Thema „Green Logistics“ als einen der wichtigen
Meilensteine vorgenommen. Wir sind eine strategische Partnerschaft mit ClimatePartner eingegangen und können Kunden nebst eines CO2 -Reports auch klimaneutrale Transporte per Luft, See oder Land anbieten.

 

Herr Warnebold, Sie haben jetzt ein besonderes Firmenjubiläum gefeiert: Sie sind seit 50 Jahren bei Fiege! Wie sind Sie zu Fiege gekommen und was waren Ihre persönlichen beruflichen Höhepunkte?

Warnebold: Im Frühling 1969 habe ich aufgrund eines Zeitungsinserates eine Lehrstelle bei der damaligen Goth & Cie AG in Basel erhalten, die später in der Fiege Forwarding Schweiz AG aufgegangen ist. Es gab über die Jahre viele schöne Projekte: Die Gründung und der Aufbau von Fiege China, woran ich mitwirken durfte, war sicherlich ein Höhepunkt und auch der Aufbau der Transsibirien- und Sammelverkehre ab Fernost.

 

Wenn Sie an Ihre Anfangszeit zurückdenken, was hat sich am meisten verändert?

Früher erfolgte die Kommunikation über Telex, also einen Fernschreiber, und hier galt es den Text auf Lochstreifen abzuspeichern, um bei der Übermittlung Zeit und Geld zu sparen. Ich mag mich noch gut erinnern, als wir das erste Telefax-Gerät erhalten haben, welches für den England-Verkehr eingesetzt wurde. Dank der Digitalisierung sind die Kommunikation und der Datenaustausch natürlich sehr viel einfacher geworden.

 

Was fasziniert Sie besonders an der Transportbranche?

Schon immer faszinierte mich der Kontakt mit Menschen anderer Kulturen und fremden Ländern. Ich war schon als Bub glücklich, wenn ich ein Flugzeug oder ein Schiff gesehen habe.

 

Das ist ein gutes Stichwort. Sie beide unterhalten Geschäftsbeziehungen in die gesamte Welt. Ist das Flugzeug Ihr Hauptverkehrsmittel? Wie viele Flugstunden haben Sie in 2018 absolviert?

Warnebold: Sicher ist das Flugzeug eines meiner wichtigsten Transportmittel. Wie viele Flugstunden ich absolviert habe, kann ich aber nicht sagen.

Völlnagel: Wie viele Flugstunden ich in 2018 absolviert habe, kann ich öffentlich nicht sagen, da ich sonst wahrscheinlich ein Problem mit meiner Familie bekäme, wenn sie diese Zahl Schwarz auf Weiß sehen würde. Die bekommen viele der Flugstunden nicht mit, wenn ich über Nacht fliege und am Samstag nach einer Asienreise um 7 Uhr morgens frisch geduscht mit Brötchen zum Frühstück erscheine. Aber das Hauptverkehrsmittel in Europa ist für mich mittlerweile der Zug. Bei Distanzen von bis zu 400 Kilometern ist man mit dem Zug genauso schnell wie mit dem Auto oder dem Flugzeug und man kann dank WLAN in den Zügen sehr gut arbeiten. Und man tut zudem etwas für die CO2– und Umweltbilanz.

 

Bei der IFLN-Konferenz in Wien hat sich Fiege als Conference Host Sponsor eingebracht.

 

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