• Presse
  • Webservices

  • Suche

Automatische Lagerinventur per Drohne

Automatische Lagerinventur über Nacht?

- Consumer Goods

4 Min Lesedauer

FIEGE testet automatische Lagerinventur per Drohne im Multi-User-Center Emmerich

Jede Nacht vollautomatisch und ohne Einsatz von Personal den Bestand prüfen und am nächsten Morgen die perfekten Daten im System haben? Gerade für sensible Märkte wie die Lebensmittel- oder Pharmabranche wäre das ein wichtiger Schritt, da die bessere Datenqualität Fehlbestände reduziert und zudem sonst oft nötige Produktionsstopps vermieden werden können. Aktuell ist das in den meisten manuellen Lägern jedoch noch eine Vision. FIEGE ist einen Schritt weiter: Am vergangenen Wochenende haben wir an unserem Standort in Emmerich einen Proof of Concept mit der neuen Inventurdrohne der doks. innovation GmbH durchgeführt. Das von der EU und dem Bundesverband Deutsche Startups e.V. geförderte Unternehmen entwickelt drohnenbasierte Logistiklösungen für Inventur- und Transportprozesse. Drei Tage lang segelte die inventAIRy® XL Drohne in luftiger Höhe testweise durch unser Lager – mit zufriedenstellendem Ergebnis.

Wiedersehen mit einem alten Bekannten

Die Idee einer drohnenbasierten Inventur ist für FIEGE keine Unbekannte. „Wir haben uns bereits 2018 intensiv damit befasst und in diesem Zuge auch das Start-up doks. innovation kennengelernt“, erinnert sich Felix Koch, Logistics Consultant bei FIEGE. Schon damals wurde ein Live-Test der ersten Drohnengeneration in einem unserer Logistikzentren in Betracht gezogen, doch die Technik erwies sich aus FIEGE-Perspektive als noch nicht ausgereift: „Der Multicopter ermöglichte nur sehr kurze Flugzeiten. Zudem war das Flugobjekt auf manuelles Umsetzen zwischen den Gängen angewiesen“, so Koch. Deshalb habe man sich gemeinsam dazu entschieden, das Projekt auf Wiedervorlage zu setzen, um die Exit-Hypothese erneut zu prüfen.

Seitdem ist viel passiert, wie Julian Wyszynski, Product Manager bei der doks. innovation GmbH, berichtet: „Wir haben uns davon verabschiedet, die Fluggeräte selbst zu bauen und dafür externe Partner gefunden. So können wir uns auf das Innenleben, also Sensorik und Software, konzentrieren.“ Der Anspruch, einen vollständig autonomen Drohnenbetrieb inklusive Ladezyklen und damit vollständig automatisierte Inventuren in manuellen Lägern zu ermöglichen, sei jedoch immer noch derselbe.

Automatische Lagerinventur: Ein Hauch von George Lucas

Die entscheidende Neuheit ist jedoch die Bodeneinheit, über die inventAIRy XL mittlerweile verfügt. Das kleine Automated Guided Vehicle (AGV) erinnert optisch ein bisschen an Droiden wie R2D2 aus den Star Wars-Filmen und ist ein ähnliches Allround-Talent: „In dem intelligenten System ist eine Batterie verbaut, mit der wir die Drohne per Kabelverbindung mit Energie versorgen. Damit sind Flugzeiten von bis zu fünf Stunden möglich“, erklärt Wyszynski. Markttechnisch sei das eine kleine Revolution, so der Experte: „Eine so lange Flugzeit ist bisher einmalig. Es gibt aktuell keine marktreifen Konkurrenzprodukte.“

Automatische Lagerinventur per DrohneÜber ein Kabel ist die Drohne mit der batterietragenden Bodeneinheit verbunden.

Innovation ist ein Kreislauf

Mit diesem Argument hat doks. innovation auch das Innovations-Team von FIEGE überzeugt. Rika Voß, Junior Logistics Consultant bei Fiege und Teil des Projektteams: „Durch die Vorteile der Kombination von Drohne und AGV hat doks. innovation den richtigen Nerv getroffen. Das war der entscheidende Knackpunkt, der uns anfänglich gefehlt hat.“ Doch nach Wiederaufnahme der Gespräche habe man sich gemeinsam für einen Use Case entschieden. „Wir ziehen uns aus vielversprechenden Projekten nicht einfach stillschweigend zurück, sondern beobachten die weiteren Entwicklungen und bewerten die Situation neu“, beschreibt Voß die Hands-on-Mentalität der Abteilung.

Automatische Lagerinventur per Drohne

Der Proof of Concept sah wie folgt aus: Für die Inventur des Lagers in Emmerich mit 30.000 Palettenstellplätzen sind in drei Schichten jeweils nur drei Kolleginnen und Kollegen vor Ort – allerdings nur, um im Notfall einzugreifen. Den eigentlichen Job erledigt die Drohne komplett selbstständig. Stefanie Weßing, Lean Managerin in der Fiege-Niederlassung Emmerich und verantwortlich für den Bereich Consumer Goods, erklärt den beachtlichen Unterschied: „Normalerweise ist dafür erheblicher Personalaufwand erforderlich.“ Mit dem eingebauten Barcodescanner liest inventAIRy XL die erforderlichen Daten auf den Paletten-Labels ein. Die Informationen werden umgehend prozessiert und mit dem Vorinventurstand aus dem Warehouse Management System abgeglichen. Hier kommen die hochauflösenden Aufnahmen der integrierten Kamera mit 20 Megapixeln ins Spiel.

Die Zielsetzung war anspruchsvoll: Für mindestens 95 Prozent des Lagers sollte eine vollautomatisierte und fehlerfreie Inventur möglich sein. Eventuelle Abweichungen wurden stufenweise systemisch abgeglichen und über die Bilddaten der Drohne korrigiert oder bestätigt. Bei etwa einem Prozent der Stellplätze rechnete man mit Fehlermeldungen aufgrund von falschen oder verdeckten Labeln. Darüber hinaus ging das Projektteam davon aus, dass etwa 0,1 Prozent der Paletten aufgrund abgerissener Aufkleber oder ähnlichem nicht lesbar seien. Wyszynski schildert das Prozedere: „In diesen Fällen fliegen wir den Bereich noch einmal manuell an und überprüfen die Situation.“ Diese Option sei ein immenser Vorteil: „Früher hätte man dafür das gesamte Lager händisch auf den Kopf stellen müssen. Zudem schwingt die Gefahr mit, eine falsche Palette auszusenden, was eine riesige Organisationslawine nach sich zieht.“

Automatische Lagerinventur per DrohneStichtagsinventur wie im Flug: Die InventAIRy® XL in Aktion.

Innovation: Mission accomplished

Die Stichtagsinventur und die Umsetzung des Proof of Concept konnten nach mehrmaligem Verschieben wegen der Corona-Pandemie unter strengen Hygieneauflagen durchgeführt werden. Am Emmericher Standort zeigte man sich mit dem Ergebnis zufrieden, wie Weßing berichtet: „Auch vor diesem Hintergrund wäre es optimal, dass wir dank der Drohne potenziell mit einem deutlich reduzierten Kontingent an Mitarbeitenden vor Ort sein könnten.“ Mit dem Ablauf zeigten sich die Drohnenentwickler zufrieden: „Es gab ein paar kleinere Probleme, aber grundsätzlich hat alles so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben“, so Wyszynski. Auch das Fazit von Felix Koch fiel gut aus: „Wir haben wertvolle Erkenntnisse gewonnen, die wir in Ruhe analysieren. Das finale Ergebnis steht zwar noch aus, doch wir sehen der drohnengestützten Inventur weiterhin positiv entgegen.“

0
Would love your thoughts, please comment.x
()
x